Vom Warten und dazwischen.

Mein Magen schmerzt. Zuviel Kaffee, zu wenig echte Aufregung. Da muss künstlicher Ersatz her. Das Herz bemüht sich um Schwung, nimmt Anlauf, bebt schneller. Aber mein Magen, der beschwert sich. Zuviel Koffein, er schmerzt vor sich hin und ringt mit dem bebenden pochenden Herzen um die Wette, buhlend um meine Aufmerksamkeit. Diese richtet sich auf die Tasse vor mir. Leer. Ich stehe auf, um mir einen neuen Kaffee zu machen. Aufputschen, ein bisschen legale Stimmungsheber konsumieren. Soviel, solange bis der Magen vom Herz geschlagen ist. Poch-poch-poch. 

Mein Blick fällt aus dem Fenster. Krokusse im Schnee, Farbtupfer auf Weiß. Der Schnee zieht sich bald schon zurück, macht Platz für Neues. Atmen, frische Luft, Gerüche – und, die Zugvögel, längst alle wieder da, bebend von der Kühle, trotzdem tirilierend. Sie sitzen auf noch kahlen Bäumen, schauen zu mir herunter. Ihre Melodien klingen wie Hoffnung. Und nach Sehnsucht. Sehnsucht. Sehnsucht nach dem Erwachen. Wie das Aufwachen nach dem nächtlichem Schlaf. Erwachen ist das schönere Bild. Aufwachen kann ich jeden Morgen. Zu erwachen hat etwas von Erwecken; den Hauch von etwas Besonderem. Wie oft kann man erweckt werden, bevor es Routine ist? Verliert sich der Zauber, wird aus Magie Katzengold, abgerieben schneller als man die Füße aus dem Bett setzen kann? So besteht die Hoffnung auf das Erwachen auch, dass man eben warten muss. Warten. Warten, an der Bushaltestelle. Warten auf eine Nachricht. Warten am Bahnhof an den Gleisen,
frierend. Warten zuhause auf ein Klingeln an der Tür. Warten dass der Tag vorüber geht. Warten dass ein Moment an mir vorbeigeht. Warten bis der Kaffee wirkt und das Herz pocht. Poch-poch-poch. Das Leben, das Warten, von einem Moment zum nächsten. Lauernd, hoffen, nichts verpassen. Neben mir, vor mir her, Blick zurück, hab ich etwas übersehen? Ach nein, wer weiß.

Jeden Tag wieder freue ich mich aufs neue. Kann Freude zur Gewohnheit werden? Oder Lachen? Was wäre das für eine Strafe für all die Griesgräme die mir auf meinen Wegen entgegen kommen? Im Supermarkt, in der Bahn, im Bus, im Auto morgens auf dem Weg zur Arbeit, müssten sie statt grimmiger Montag-Morgen-Miene ein Lachen tragen! Wenn man ihnen nicht ansähe dass sie den Tag, den Morgen, ihren Weg durch ihren Alltagstrott hassen und ihr Lachen eine Fehlsteuerung ist, ebenso Routine wie der Weg selbst und sie es nicht abstreifen könnten, zur Freundlichkeit verdammt und ein Kreislauf begänne, sie ihr Lachen weiterschenkten an jeden, der ihren Tag füllt, den Weg kreuzt – ‚Guten Tag, wie kann ich ihnen helfen?‘ – Ein Lächeln, ‘Ach dankeschön’ und weiter geht’s, lächelnd, keine Chance dass die innere Verbitterung ein Zeichen ins Gesicht malt. – Szenario, getäuscht.

Meine Freude braucht das Vor-Freuen. Auf Tage, Termine, Rituale. Besondere Dinge. Ich freue mich mehr, wenn ich mich vorbereiten kann. Mein Tun zelebrieren, als Teil des Rituals selbst. Wenn ich mich auf den Weg mache, um die Welt immer wieder neu für mich zu entdecken, Worte mit Menschen austausche oder sogar einfach nur meinen Pflichten nachkommen muss – immer freue ich mich auf den Teil davor, das Vorbereiten, diese ´Was-wäre-wenn-Fragen´ inmitten mancher Unsicherheit, welches immer wieder dieses Kribbeln im Bauch verursacht. Ich laufe hin und her, auf meinem Gesicht das Lächeln der Vorfreude oder eben diese Anzeichen der Verunsicherung in mir und immer dabei mein heftig schlagendes Herz, poch-poch-poch, lässt es mich lebendig sein. Kein Kaffee, das wäre zuviel. Soviel Aufregung! Das ist der Moment, den ich am meisten mag. – Bald. Und dazwischen Warten. Bald mehr. Bald alles? Wer weiß. Erst einmal vorbereiten und der Freude Platz machen. Herz auf, denn der Frühling kommt!

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