Azurblau.

Hohe Mauern links und rechts von mir, in der Mitte ein schmaler Weg, der nur zwei Richtungen kennt. Ich laufe, laufe geradeaus, weil ich mir sicher bin, dass da der Ausgang sein muss. Und doch treffe ich nur wieder auf eine Sackgasse. Schon wieder verlaufen. Ich spüre Wut in mir aufsteigen und doch will ich mich nicht von dieser beherschen lassen.

Ich drehe um, schaue was ich übersehen habe bis hier hin. Wieder den schmalen Weg entlang. Die hohen Mauern hüllen mich ein. Ich fühle mich gehetzt, will einfach nur raus aus dieser Enge, die mir scheint die Luft zum Atmen zu nehmen. Angst, Panik – alles scheint den Raum einnehmen zu wollen in dem ich versuche mich zu bewegen. Für mich scheint kein Platz zu bleiben. Mein Blick hetzt nach links, blicke nach rechts, nach unten … und letztendlich nach oben. Ich blicke hinauf in das einzige Indiz für Weite und Freiheit. Mitten hinein in den azurblauen Himmel über mir. Dicke helle Kumuluswolken ziehen ihre unbestimmten Bahnen inmitten ihrer Individualreise. Sie lassen sich treiben vom Wind – keine Hindernisse, keine Mauern auf ihrer Reise. Ich lege mich auf den Rücken und stelle mir vor, ich wäre ein blinder Passagier auf einer dieser Wolken. Plötzlich fühlt sich der harte Boden unter mir ganz weich an. Fühle wie die Watte mich trägt. Ich schwebe sanft und leicht. Die Wolke nimmt mich mit auf ihre Reise. Das Ziel unbekannt und in keinsterweise relevant für diesen Augenblick. Niemand entscheidet die Route, allein der Wind lässt uns treiben. Wieder werde ich mir bewusst, dass die Angst und Panik unbegründet ist, verstehe wieder, dass nicht das Ziel das entscheidende ist, sondern die Reise. Die verkrampfte Suche nach dem Ziel mich den Blick desöfteren verlieren lässt. Manchen Ausweg nicht erkennen lässt. Ich übersehe die unscheinbaren, aber entscheidenen Dinge auf dem Weg. Mein Blick fokussiert auf die eigene Verwirrung, auf den stetigen Selbstzweifel, dabei vergessend wie bedeutend und berauschender der Blick doch in die Weite ist. Der Blick hindurch durch diese Mauern, die mich umgeben.

Ich schwebe hindurch, löse mich los aus der fesselnden Lähmung und schreite weiter durch meine Lebenslinie. Schreite immer weiter mit dem neu gewonnenen Mut, bis ich dann irgendwann wieder auf sie stoße, auf diese Mauern und Sackgassen. Weil ich Mensch bin. Weil ich vergesse.

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