Staub.

TEXT VON NINA KRAVITZ

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„Inspiration is only connected to the core, to the true and very raw essence.“

Vor ein paar Tagen fand ich einige alte Briefe. Ein junger Mann und eine Frau, die sich ihre Gefühle füreinander austauschten. Ein unschuldiger, natürlicher Gefühlsschwall, der sorgfälltig zu Papier gebracht wurde. Es ist offensichtlich, dass sich diese beiden erst ganz am Anfang ihrer Geschichte befinden. Ihre Herzen sind weit geöffnet und zerbrechlich. Alles ist unbekannt. Sie sind neugierig, aber nicht ängstlich. Alles fließt leicht dahin und es gibt keinen Druck. Die Dinge passieren einfach, ungezwungen, weil es sich richtig anfühlt. Ohne viel übereinander zu wissen, fühlen sie, dass da noch etwas Großes kommen wird. Die Reinheit ist befreiend. Freiheit inspiriert und setzt zugleich Energie frei. Nackte Haut und keine Erwartungen. Mehr Taten als Gedanken. Die Zeit ist jetzt und alles, was man tun muss, ist den Dingen ihren Lauf zu lassen. Aufbruchstimmung.

Ich wurde sehr sentimental. Was für ein drastischer Wandel ist seitdem passiert. Wahrscheinlich geschieht das vielen von uns im Laufe der Zeit. Wie können Dinge nur so anders sein, als sie zu Beginn waren? Wie kommt es, dass diese Aufbruchstimmung verschwindet? Nicht nur in der Liebe, sondern auch in der Musik und anderen Kunstformen? Wenn es einem plötzlich nicht mehr so leicht fällt, Gefühle in Melodien umzuwandeln, früher geschah das so selbstverständlich, als würde jedes Stück von einem selbst in sie fließen. Wahrscheinlich ist das ganz normal. Tage vorrüber. Dinge geschehen. Andere Dinge geschehen. Gute und schlechte. Und damit gehen viele Erwartungen und Beurteilungen einher. Erfahrung ist gut. Nur durch sie wächst man. Aber man bekommt auch schnell eine dicke Haut. Diese dicke Haut ist völlig nötg, um Dinge zu überstehen, sie kann einem das Gefühl der Sicherheit geben. Aber man sollte kein Risiko in einer Wohlfühlzone erwarten. Und auch nicht viele Eingebungen. Inspiration braucht frische Luft. Sie ist ehrlich und braucht Risiken. Meine Muse flieht, wenn sie sich eingeengt fühlt von Erwartungen. Sie ist voruneingenommen und toleriert weder Druck noch Angst davor, beurteilt zu werden. Sie ist nur mit dem Wahren und der wirklich rohen Essenz verbunden. Der kreative Fluss fängt in einer Reinheit an. Diese Briefe haben mich darüber nachdenken lassen. Vielleicht dient diese dicke Haut auch als Erinnerung daran, dass man sie immer wieder abziehen muss, um sich selbst wieder näher zu kommen. Noch einmal. Immer wieder. Nur um sich zu vergegenwärtigen, wer man eigentlich ist. Schüttele den Staub ab und behalte das neugierige Kind in dir.

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