Tagträume.

Ich war eingeschlafen, gegen Mittag. Ermattet vom Tatendrang, von all diesen Eindrücken, die mir auf dem alltäglichen Weg durch ein scheinbar immer wieder neues Leben begegnen. Lebenszeit die mir geschenkt wurde, nachdem solch viele Entscheidungen gefallen sind und die ich bis heute für mich und mein Leben treffen musste. Manchmal bringt es mich an meine Grenzen, zumeist jedoch positiv, denn mittlerweile kann ich diese akzeptieren, denn meine Grenzen lassen mich immer wieder neue Wege finden. Und wenn ich an manchen Tagen völligst überfordert bin, lässt mich die Zeit erlauben mich auszuruhen, mich zu sortieren und einfach mal die Seele für ein paar Augenblicke in einem leichten Schlaf am Mittag nach getaner Arbeit an einem bewegten Tag baumeln zu lassen. Und manchmal passiert es, dass ich mich in diesen Tagträumen verlaufe. Tagträume die mich verwirren und doch irgendwie beruhigend sind.

Mitten in diesen schrecke ich plötzlich auf. Der Schweiß steht mir auf der Stirn. Fühle mich schwach, ausgelaugt und leer. Was ist das, was in meinen ruhenden Geist dringt? Meine erste Intuition ist meist Verwirrung. Dann stelle ich mir die Frage in welchem Leben ich augenblicklich lebe? Ist diese Realität des Augenblicks ein Traum oder doch der Traum die Realität? Diese Tagträume passen selten in meine derzeitigen emotionalen Befindlichkeiten. Es dreht sich meist um Süchte, Hass, Vorwürfe, alte Strukturen, nicht erfüllte Sehnsüchte, Depressionen, Kälte, Wehmütigkeit, Machtkämpfe und Dunkelheit. Sie ermatten mich, all diese dunklen Sachen, kann es mir oft im ersten Moment nicht erklären, bevor es mir langsam bewusst wird: Das ist die Zukunft meines vergangenen Lebens, direkt in meinem tiefsten Inneren. Das Übergebliebene aus meinem alten Leben, welches sich noch immer nach Jahren zu Wort meldet, um mich daran zu erinnern woher ich komme. Mich daran erinnert, wie viele Wege sich kreuzten, bis zu jenem Punkt, an dem ich mich entschied mein Leben bewusst in neue Bahnen zu lenken. Sie lassen mich wiederholt verstehen, dass das scheinbare Ende im Damals vielleicht schmerz- und verlustvoll war, jedoch die Möglichkeit gab zu erkennen das es die Chance für einen neuen Anfang war. Diese Tagträume sind die Tür zu meiner möglichen heutigen Gegenwart. Denn sie lassen mich wissen, dass mein Leben damals sicherlich nicht geendet wäre, eher hätte es sich in ein Leben weiterer Haltlosigkeit und haltloser Grenzenlosigkeit, ohne ein absehbares Ende, entwickelt. Bis ich vielleicht untergegangen wäre, auf der Suche nach dem Menschen der Ich sein sollte.

Ich stehe am Fenster, wieder nach einem dieser Tagträume. Der Schweiß auf meiner Stirn ist fasst getrocknet. Ich schaue hinaus, sehe Leben, sehe Menschen auf der Strasse, sehe einfache Dinge, die ganz groß sind, höre Kinderlachen und rieche den Wind des Sommers, während die Vögel eine Melodie des Seelenfriedens singen. Ich flüster in mich hinein: „Das ist mein Leben!“ Ich spüre eine unbeschreibliche Dankbarkeit gegenüber den höheren Mächten, die kein menschlicher Verstand erfassen kann. Im Nachhall schenken mir die Träume Bestätigung und geben mir das Gefühl in keiner Sekunde meines Lebens etwas falsch gemacht zu haben. Sie sind reine Realität und sie zeigen mir die unverfälschte Wirklichkeit, zurück bis in die Tage vor denen ich auch gerne mal die Augen verschließe, mir jedoch verständlich ist, dass wir ohne diese nicht wären. So schließt sich der Kreis in diesen Tagträumen und sie klopfen weiterhin an manchen verschlafenen Minuten, mitten am Tage, ihre Botschaft in meinen Geist.

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