Metaphern und Anekdotensalat.

Du kannst doch nicht ewig mit dem Bleistift gegen den Schreibblock klopfen und hoffen, dass eine kluge Metapher vom Himmel direkt in dein Gehirn rutscht. So eine Rutsche gibt es gar nicht! Verstehst du, was ich dir sagen will? Der Fisch muss dem Fischer schmecken, nicht der Schleuse. Oder, anders gesagt: wenn man Zahnschmerzen hat, geht man zum Zahnarzt. Wenn ich Apettit auf Schokoflocken habe, suche ich den Supermarkt auf. Und wenn mir der Sinn nach frischen Geistesblitzen lechzt, gehe ich raus vor diese Tür, die mir allzuoft eine Welt bescherrt, wie ich sie mir vor dem durchschreiten dieser nie erträumt hätte. Gehe dahin, wo all die Geschichten herumfliegen! Und nein, denk jetzt bitte nicht an Zeppeline oder Helikopter, nein, in solchen Erungenschaften unserer menschlichen Spezies sind die schönen Geschichten nicht unterwegs. Aber, wenn du Metaphern so gern magst, biete ich dir kostenlos die folgende an: Die Geschichten befinden sich in Luftballons und dein Verstand ist der Pfeil, mit dem du sie greifbar und erntereif zauberst. Ein gezielter Wurf und der geheime Inhalt der Ballons wird in deinen Besitz schweben! Such vor allem nach dem literarischen Bullseye deiner Wohngegend! Das linke Auge bei der Jagd aber unbedingt zukneifen, damit sich dein literarischer Horizont erweitert. Weniger sehen ist manchmal mehr und manch ein Detail wird an dir vorbeiflattern, wenn du deinen Spürsinn stur auf das große Ganze richtest. Ein weiterer Geheimtipp, so von Hobbyschütze zu Hobbyschütze: wenn ein Luftballon in einem Baum zappelt, dann wird das einen Grund haben. Und vergiss nicht: dein Stift wird später dein Mähdrescher sein. Da kannst du also keine trivialen Kastanien gebrauchen, denn die zerstören deine mühsame Pfeilschießarbeit. Lass also liegen, was dir für deine Absichten ungelegen erscheint. Und zurück am Schreibtisch, bei der Auslese der Ernte, brauchst du schließlich nur schmackhafte Zutaten für der Zubereitung des Ganzen. Niemand mag Gewürznelken! Desweiteren kochst du am besten ohne Rezept und mit viel Mut. Schmeiß ruhig ein wenig Unreifes und Gewagtes hinein! Mische Porzellan und Marmor, letztlich ist beides Gestein! Bei lodernder Ungewissheit koste ruhig ab und an testend am Süppchen, aber verbrenn dir nicht die Löffel. Die wirst du noch brauchen, mein Freund! Verschwendung ist der eheliche Sohn des Unschönen. Aber bei richtiger Vorgehensweise wird dein Ergebnis irgendwann ein leckerer Anekdotensalat auf dem einst so hungrigen Notizblock sein.

Doch merke dir zum Abschluss eines: Wer ständig nach Metaphern sucht, macht sich abhängig und beraubt sich der Freiheit seiner eigenen Interpretationen! Daher verzichte auf diese, wo keine sind. Nun geh hinaus aus dieser Tür, doch kann ich dir meinen Schlüssel nicht leihen, denn diesen besitz ich nicht für dich.

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