Jeden Sonntag.

sunday girl

Du holst mich ein. Immer, wenn ich zu müde bin, weiter zu laufen.

Immer wieder gibt es diese Momente, in denen sich dein Bild in meinen Kopf schiebt, egal, wo ich bin und was ich tue. Die Welt um mich herum fällt in eine schwere Zeitlupe und vor meinem inneren Auge ist nur noch dein Gesicht. Nicht du, sondern ein Abbild, statisch und leblos. Ich wehre mich und versuche, das Bild zur Seite zu schieben. Es bleibt ein schwarzer Hintergrund. Ein schwarzes Nichts.

Es ist beeindruckend, wie sehr mein Herz zu dir möchte. Irgendeine endlos verästelte Assoziation scheint immer zu dir zu führen. Mein Kopf war dir gegenüber schon lange skeptisch, aber er gab dem Herzen immer wieder seinen Willen. Ein Aufleuchten wie der Stich einer Nadel, der durch den gesamten Körper fährt und die Wunde jedes mal wieder aufreißt.Ich werde besser darin, das Herz in die Irre zu führen und dem Stich davonzulaufen. Doch Sonntags bin ich dafür zu müde.

So lange bin ich dir hinterher gerannt. All die dunklen Straßen hinunter, von der Hoffnung getrieben, dich vielleicht doch irgendwann einzuholen. Am Leben gehalten von der Utopie, dass du eines Tages stehen bleibst, dich umdrehst, ich in deine Arme falle und ruhen kann. Doch immer mehr wurdest du zu einer verschwommenen Silhouette am Horizont. Die mir eines Tages zurief, dass sie niemals stehen bleiben wird. Also blieb ich stehen. Und fiel um. Und begriff bald, dass ich nun in die andere Richtung laufen muss. Ich musste so weit von dir weg, wie es irgendwie geht.

Also lief ich los, seitdem bist du es, die mich verfolgt. Vielleicht wäre es einfacher, zu entkommen, wenn ich wüsste, warum ich dich nicht begleiten durfte. Doch wie immer habe ich nur Theorien, aber weiß nichts. Nicht, warum sich mein Zuhause verbarrikadierte. Nicht, warum ich meine Liebste kaum länger als eine Sekunde umarmen durfte. Nicht, warum ich ignoriert wurde wie ein Fremder. So musste ich einfach weg von da, wo diese Gedanken wichtig sind. Und laufe, laufe, laufe.

Doch Sonntags, wenn ich nicht mehr kann, wenn der Körper so ausgezehrt ist von zwei Tagen hohlem Rausch, der einzig und allein der Verdrängung dient, dann holen die Bilder mich ein. Dann kann ich nur noch liegen und bin mir sicher, dass der schönste Platz zum Liegen neben dir ist. Ich sehe deine Augen mich anleuchten und erinnere mich, wie warm und sicher dieser Ort sich anfühlte. Vielleicht war er es nie. Ich weiß es nicht. Ich weiß nichts. Alles, was man jemals wissen kann, ist, wie man sich genau jetzt fühlt. Mir ist so kalt.

Dein Bild schiebt sich langsam wieder zur Seite und das schwarze Nichts legt sich über mich. Im Traum werde ich dich wieder sehen, das ist sicher. Dann werde ich aufwachen, ein- und ausatmen, einen Schluck Wasser trinken und aufstehen.

Und weiterlaufen.

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