Neue Wege.

Ways

Ich weiß ganz genau wohin ich will. Ich weiß genau was ich eigentlich will. Doch suche ich. Ich suche immer weiter den Weg. Nicht den richtigen, nein, eher diesen der mich dorthin bringt, zu diesen Zielen, die ich glaube wirklich zu wollen. Richtig und Falsch gibt es bis zum erreichen dieser nicht. Bequem, umständlich, vorteilhaft, unvorteilhaft, beflügelnd oder eben zeitweise erschmetternd. Bekanntlich gibt es immer wieder viele Wege zu den eigenen Zielen. Und dann natürlich immer eins nach dem anderen.

Heute war ein großer Tag im bisherigen Verlauf meines Lebensweges, obwohl das Ereignis doch eher unspektakulär für einen Aussenstehenden erscheint. Ich hatte meinen Eignungstest für den Einstieg in die Sozialpädagogik, um irgendwann auf längere Sicht auf der thertapeutischen Ebene zu landen, um meinen Erfahrungen für den Austausch ein proffesionelleres Fundament zu geben. Bis zum heutigen Tag, als ich vor dem Test saß musste ich viele Hürden nehmen. Nicht nur dass ich mich bis zu meinem 29. Lebensjahr so ziemlich in der irdischen Existenz verlaufen hatte, mir bis dato im exzessiven Konsum von Drogen und Alkohol der Sucht verschrieb, sondern mich auch in eine langjährige therapeutische Phase begab, um den Sinn des Lebens (insbesondere meines) und meine Selbstwertschätzung zu finden. Mit 30 vollbrachte ich einen kompletten Lebenswandel und eine intensive Selbstfindung. Es war nicht einfach Dinge loszulassen, die jahrelang als selbstverständlich galten. Es war eine Hürde das Herz zu öffnen um neue unbekannte Dinge zu berühren. Heute bin ich fast 35 und lange Zeit dachte ich, ich sei zu alt um neue Wege zu finden. Sei zu alt um einen neuen Versuch zu starten, um dass umzusetzen was ich in mir spüre umsetzen zu müssen und mit der Welt zu teilen. Aber es wurde mir sehr schnell bewusst, dass ich nie zu alt sein werde um weiter zu streben, weiter zu streben hin zu neuer Entdeckung ganz anderer Horizonte. Nie zu alt sein werde um wieder stehen zu bleiben um mich in Süchten zu verlieren. Ich habe den Lebensmut gefunden. Habe ihn gefunden in diesem tiefen Sumpf von Depression, voller Selbstmitleid und -zweifel.

„Erfahrung ist nicht das, was einem zustößt. Erfahrung ist das, was man aus dem macht, was einem zustößt.
Aldous Huxley

Meine derzeitigen Arbeiten, zum einen in einer Kinderschutzeinrichtung, zum anderen in der Suchtprävention mit Kindern und Jugendlichen, geben mir immer wieder die Bestätigung weiter zu gehen. Immer einen Schritt weiter dorthin, wo meine Erfahrungen mit Worten in kaputte, kranke Herzen gelangen können, um ihnen ein Stück zur Heilung helfen können. Um den verwirrten Menschen neue Orintierung zu geben und letzten Endes Hoffnung zu geben, dass es immer weiter geht, selbst wenn man glaubt allein und verlassen zu sein von all diesem „schönen Sein“ .

In meiner Therapiezeit wurde ich belächelt, als ich meine beruflichen Pläne kundtat. Als ich sagte, dass ich alles dafür tun werde den Beruf als Maler und Lackierer nicht mehr ausüben zu müssen, nur wegen des Geldes wegen. Nein, ich will dass tun wofür die Bedeutung des “Berufes” steht. Berufung. Ich will dies alltäglich machen wofür ich lebe, was ich fühle machen zu müssen. Das umsetzen, was ich spüre in mir schlummern zu haben. Was Tag für Tag in mir pocht. Das ist dieses Leben, das ist meine Geschichte, die solch viele andere Menschen auch erleben. Leere, Suff, Drogen, Einsamkeit, irritierte Suche, der unkontrollierte freie Fall, Depressionen und die ewig pochende Frage: Warum existiere ich überhaupt? Das soll es es sein. Orientierung schenken, Möglichkeiten gemeinsam finden und die Hoffnungslosigkeit besiegen. – Und eben dass kann es für mich nur sein, wenn ich es selbst erlebt habe, dieses Leben. Dieses Leben mit all dem Schmerz, dieses Leben mit all seinem herzlichen Sonnenschein. – Ich bin 35. Fühle mich nicht zu alt. Weiß jetzt mit Sicherheit, nichts verpasst zu haben. Fühle mich bereit, um ehrlich mit Menschen Hand in Hand ein Stück Lebensweg zu gehen. Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen ein klein bisschen Kompass zu sein. Und dafür will ich weiter gehen, weiter lernen, alles geben um irgendwann einmal zu sagen: Ich habe niemals aufgegeben, dass zu teilen, was mir das Leben nehmen wollte.

Und so will ich meinem Optimismus mit dem schönen Zitat des Herrn Würth, zumindest in meinem heuitigen Blogeintrag, ein Ende setzen und mit einem hoffnungsvollen Blick in die Zukunft des Lernens, Strebens und neu entdeckens schauen…

„Lebenslang lernen ist ein Stück Selbstverständlichkeit, und doch wird ein aufmerksamer Beobachter feststellen, daß sich die Menschen seiner Umwelt in zwei Lager aufzuteilen scheinen: die einen schon mit 40 vergreist, lustlos am Leben vorbei lebend, phlegmatisch, nicht nur körperlich feist und dick, auf dem Weg zur Senilität. Andere im Alter von 70 machen einen wendigen, optimistischen, agilen und positiven Eindruck, sind unabhängig von der Berufslaufbahn aktiv geblieben und beobachten ihre Umwelt aufmerksam und positiv. Analysiert man beide Gruppen, dann zeigt es sich, daß erstere verlernt haben, zu lernen, während letztere sich analytisches Denken und den Drang zum Leben bewahrt haben.“
Reinhold Würth

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