Freunde für´s Leben.

Ein Ende ist immer eine zwiespältige Sache. Meist mit Traurigkeit verbunden, manchmal auch mit Erleichterung, oft mit Fragen nach dem Warum oder Woher und selten mit Freude. – Wenn Freunde aus deinem Leben verschwinden, wenn ewig Bestand geglaubtes plötzlich zerbricht…

Das Ende einer Freundschaft ist ein unergründliches Ding. Vorher schwer zu bestimmen und meist verpasst man den Zeitpunkt um es für sich selbst zu realisieren, es wahrzunehmen und letztendlich zu akzeptieren. Unverhofft kommt so etwas selten, aber oft will man es einfach nicht wahr haben. Wie sehr es schmerzt, das hängt wohl auch davon ab, wie intensiv diese Freundschaft einst war. War es das, was man unter einem “besten Freund” versteht, an den man fest geglaubt hat, festgehalten hat, bis man schließlich ernüchtert einsehen musste, dass es mehr Unterschiede als Gemeinsamkeiten gab, dann schmerzt das Ende um so mehr. Enden sind eine unschöne Sache. Vielleicht sollte man sie einfach verbieten, aber dann würde ja alles ewig im Zustand der Ruhe bleiben und das Leben steckt nun mal voller Bewegung.

Ein Ende kann auch ein Anfang sein … sagt man und auch wenn dies einem im Augenblick des eigentlichen Endes, des Schmerzes, oft unverständlich erscheinen mag, so sind es doch wahre und tiefe Worte. Ein Ende, wie weh es auch tun mag, schafft auch Platz für Neues und ist eine Erfahrung, die auch gemacht werden muss. Man wünscht sich harmonische Enden, ganz ohne Zorn oder gar Hass, sondern mit Verständnis und gegenseitigem Respekt. Das Leben aber ist von den Wünschen meist weit entfernt und schreibt sein eigenes Drehbuch. Dort geht es dann eher wie in einem Drama zu und böse Worte und harte Aussagen treffen aufeinander. Die Vergangenheit wird nach den schier unvermeidlichen Fehlern des anderen durchwühlt, nur die eigenen bleiben dabei gern mal auf der Strecke und unerwähnt. Plötzlich scheint einem alles klar und logisch. Das konnte so ja gar nicht funktionieren, das musste ja scheitern.

Man wähnt sich auf der richtigen Seite, denn natürlich liegt die Schuld gänzlich auf der anderen, der falschen Seite. Dabei wird gern und oft vergessen, dass es einen Streit ohne beide Seiten gar nicht richtig geben kann, dass Fehler doch allzu menschlich sind und manchmal sogar zwangsläufig gemacht werden müssen, um sich selbst weiter zu entwickeln. Der Mensch ist von Natur aus so harmoniebedürftig, dass er oft naiv glaubt, das Gute und Schöne würde ewig währen und das er dabei allzu leicht vergisst, dass es so etwas wie menschliche Ewigkeiten nicht gibt und nicht geben kann. Vielleicht ist das Leben keine Achterbahn, aber immerhin doch oft eine Geisterbahn … Vom Dunkeln ins Licht gebracht und wieder vom Dunkel verschluckt zu werden, das ist unser aller Schicksal, unsere Bestimmung und der innere Zwang, der uns alle treibt.

Freunde sind wichtig im Leben. Arm ist, wer glaubt ohne sie durchs Leben gehen zu können, aus Angst vor Enttäuschung, Verlust oder einer gewissen Faulheit heraus, denn Freundschaften sind zarte und seltsame Pflanzen, die wohl behütet und regelmäßig gehegt und gepflegt werden wollen. Es sind keine Selbstläufer, keine Medaillen – einmal errungen kann man sich zurück lehnen und sich ihrer einfach erfreuen. Eine Freundschaft entwickelt ein eigenes Tempo, eine ganz eigene Zeit im Kosmos und eigene Gesetze. Man kann einander lange Zeit nicht sehen und dann ist es doch, als ob gerade erst ein Tag vergangen wäre. Das alte Vertrauen – die Wellenlänge – ist noch da und man findet schnell wieder an gewohnte Punkte und zu Übereinstimmungen. Zeit spielt dabei oft nur eine sehr untergeordnete Rolle. Gesetze gibt es auch. Punkte, über die man nicht sprechen mag oder kann, Trennlinien, welche nicht überschritten werden dürfen und Orte, an denen man keinen Zutritt hat. Wenn man das akzeptieren kann, wenn man sich gegenseitig soweit ausgelotet hat, dann hat man viele Freiräume.

Zwei Sachen zeichnet eine Freundschaft aus: Ehrlichkeit und Loyalität. Es ist fast wie die Treue in einer Beziehung, wenn man gemeinsam zueinander steht, füreinander einsteht und den anderen verteidigt. Offenheit und Ehrlichkeit sind wohl Grundpfeiler, denn wer den Fehler macht, seine Angst obsiegen zu lassen, wer Irrtümer nicht eingestehen kann oder nicht zu dem steht, was und wie er ist – der wird schnell merken, wie er alles verspielt, was aufgebaut wurde. Fehler können verziehen werden, über Schwächen und Macken kann man großzügig hinwegsehen, sie akzeptieren, denn sie machen den Menschen ja erst zu jenem besonderen und einzigartigen Individuum, mit dem man gern befreundet sein möchte, den man um sich haben möchte. Es gibt viele unterschiedliche Freundschaften. Lose und engere, welche die den Namen gar nicht verdienen und nur Zweckbündnisse sind und solche, wo dem anderen sogar sein Leben anvertrauen würde. Wer eine solche tiefe Freundschaft gefunden hat, sollte sie schützen, um sie kämpfen, denn so etwas ist sehr selten im Leben.

Doch eigentlich geht es ja um das Ende, von dem Punkt, an dem es kein Zurück mehr gibt. Hinterher ist man immer klüger… heißt es. Schade nur, dass man eben diese Erkenntnisse nicht schon viel früher gefunden hatte. Bedauern bleibt, Wehmut, eine Leere, Enttäuschung, Erinnerungen an gute Zeiten, manchmal Verzweiflung oder Wut. Ein Ende ist selten gut. Manchmal ist es unausweichlich, weil Lebenseinstellungen oder die menschlichen Charaktere einfach zu unterschiedliche sind. Manchmal geschieht es auch, weil zuviel geschehen ist, man sich zuviel vorgeworfen oder zu wenig zugegeben hatte – dennoch bleiben Fragen. Musste es soweit kommen? Was hätte man anders machen können? Wo waren die Fehler, Probleme und warum hatte man sie nicht schon eher bemerkt?

Enden schmerzen. Der Kopf ist voll und doch leer, der Blick geht ins Nirgendwo und man wünscht sich die Zeit zurückdrehen zu können. Plötzlich da fehlt etwas im Leben, da ist ein leerer Platz im Herzen. Man füllt die Lücken schnell, manchmal unbedacht, manchmal mit Absicht, denn die innere Regalwand unseres Herzens und unseres Selbstbewusstseins empfindet Lücken als störend, dabei sind sie oft heilsam und hilfreich, lassen sie uns doch erst so richtig erkennen, was wir sind, wodurch wir uns selbst definieren und darstellen. Wir sollten diese Lücken, die Hinterlassenschaften unsere Lebens und Handelns sorgfältig betrachten, sie für einen Augenblick auch akzeptieren und vielleicht später mit dem Gelernten ausfüllen Wer sie zu schnell zuschaufelt, der verdrängt, beraubt sich der Chance, die auch Leid erbringen kann. Freud und Leid sind die zwei Seiten einer Münze… heißt es. Doch sie sind nicht immer nur die Kehrseiten, vielmehr bedingen sie einander, können ohne einander gar nicht existieren. Nur wer die Freude genossen hatte, wird auch das Leid richtig einordnen und werten können. Nur wer schon gelitten hat, wird die Freude auch in vollen Zügen genießen können und sein Herz damit füllen. Wieso fühlen wir uns zu manchen Menschen einfach auf eine fast mystische Weise hingezogen, die all unseren lebensbedingten Erfahrungen, ja oft auch unserer Erziehung, entgegensteht? Wieso erkennen wir manchmal in noch fast fremden Menschen schon zukünftige Freunde? Gibt es wirklich so etwas wie Seelenverwandtschaft? Ich glaube ja. Man sagt, man sei auf einer „Wellenlänge“ und vielleicht ist da, mal physikalisch betrachtet, mehr dran, als man im Allgemeinen so glaubt.

Am Ende trennen sich die Wege, am Ende geht jeder allein. Die Zeit im Herzen behaltend, das Gute und das Schmerzliche, es ist alles nur ein Teil des Lebens, des Erlebten… Weiter schreiten auf dem eigenen Wege, aber auch inne halten und sich erinnern … ein Lächeln im Gesicht und auch die Träne des Verlustes zu spüren … so sollte ein Ende – wenn es sie denn schon geben muss – sein, so würde ich es mir wünschen.

Nach vorn schauen, gewiss, aber den Weg, woher man kam, nicht verleugnen oder verdrängen. Nur dann zählen die Tage, nur dann sind sie nicht verloren. Nur wer weiß, was er gehabt hat, weiß auch was er verloren hat. Manchmal beginnt etwas Großes im kleinen, manchmal werden aus Bekanntschaften – flüchtigen Augenblicken – richtige, offene, vertrauensvolle Freundschaften. Manchmal werden aus solchen „normalen“ Freundschaften auch ganz besondere, in dem es einem dann wichtiger ist, wie es dem anderen geht, als einem selbst. Dann ist Vertrauen kein leeres Wort mehr, dann kann man sich guten Gewissens aufeinander verlassen, man weiß dass man aufgefangen und getragen wird. Opfer sind dann keine Opfer, sondern Geschenke, man fragt nicht, man handelt und ein Blick genügt um zu verstehen.

Manchmal, selten genug im Leben, lernt man jemand kennen, dessen Gedanken man fast lesen kann und umgekehrt. Wenn man großes Glück hat, wird einem eine solche Freundschaft zuteil, kann man sie leben und erleben und weiß auch um deren Kostbarkeit. Eine solche Freundschaft überdauert vieles und ist oft beständiger als so manche Beziehung. Manchmal ist das Leben gut zu einem und wo man sie am wenigsten vermutet können die schönsten Blumen stehen … Und doch gibt es keinen Stillstand im Leben und es ist nur ein kleiner Schritt, Mut, Schicksal und aus dem Ende wird ein neuer Beginn, man baut auf den Ruinen des Endes etwas Neues und Größeres auf.

Wenn einem soviel Gutes widerfährt, ist dies doch Freude und Dankbarkeit wert. Man fühlt sich plötzlich wie an einem hellen Sommertag und möchte jeden Augenblick nun genießen. Freundschaften sind eine zwiespältige Sache. Scharf wie Schwerter und dichter als Netze, heißer als Schmiedefeuer und belebender als der beste Wein. Sie sind wichtig im Leben, viel wichtiger als viele glauben. Für mich sind meine Freunde auch ein Teil meiner Familie. Reinfälle gibt es, aber wer sich davon abschrecken lässt, der beraubt sich selbst vor Angst aller Möglichkeiten. Das wäre mehr als nur schade … es wäre sinnlos.

Freunde fürs Leben – ja, ich glaube an so etwas und ein Ende ist ein Teil, eine Chance, ein Beginn …

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s