Die Liebe der Anderen.

poles

Ich kenne dieses Gefühl von Früher. Dieser Neid auf das Glück der Anderen. Aber es erorbert mich nicht mehr, heute spiele ich mit den Perspektiven…

Beflügelt vom frischem Duft der sprießenden Wiesen, blühenden Sträucher und grünenden Bäume schwebe ich leichten Schrittes durch den Park, der mir Unmengen an Sauerstoff und Glückshormonen in meinen Körper spülen soll. Ich bestaune begeistert jedes asymetrsiche botanische Wunder welches mir in den Blickwinkel springt, schnuppere die Sonnenstrahlen, die mir die Schweißperlen auf die Nasenspitze gleiten lassen und es aus meinem Blickwinkel aussieht, als trage ich ein kleines glanzvolles Salzmeer vor mir her. Der Fluss plätschert neben mir daher und es zirppt und summt um meine Ohrmuscheln. Manchmal fühlt es sich an, als saußten diese kleinen beflügelten Tierchen direkt in mein Ohr, durch mein Hirn und auf der anderen Seite wieder hinaus. Irgendwie irre psychedelisch…

Und mein Blick schweift weiter so umher in den Farben des Frühlings, saugt jedes in der Luft befindliche Molekül ganz bewusst auf und der Verstand versucht es zu analysieren. Und dann sehe ich mit meiner Wahrnehmung weiter entfernt doch wie sich zwei menschliche Wesen auf der Wiese dort befummeln, wo ein Urologe sicherlich zehn Euro Praxisgebühren freudig in Empfang nehmen würde, um dort seiner Arbeit mit prickelndem Enthusiasmus nachgehen zu können. Ich merke wie sich in mir dieses Ego eines alten faltigen grießgrämmigen Mannes emporhebt und mein Kopf sich fragt ob ich die Nummer des Ordnungsamtes in meinem Handy abgespeichert habe oder diese überhaupt jeh besaß. Augenblicklich fand ich jedoch zurück zur Besinnung und mir wurde bewusst, dass ich dieses Gefühl gut kannte. Es war dieses erbähmliche Neidgefühl von Früher. Der Kotzeffekt der sich einschaltete, wenn andere glücklich sind. Und kaum hatte ich meine Emotionen wieder unter Kontrolle kommt mir auf dem Weg ein weiteres Päärchen, Arm in Arm, entgegen. Und was schoben sie da vor sich her? Igitt! Ein Kinderwagen? Panik steigt in mir auf, ich ringe nach Luft, das Salzmeer auf meiner Nase entwickelt sich zu einem Niagarafall.

Und dann sehe ich sie: Die Hand eines Menschenkindes, dann das akkustische Warnsignal in Form eines hohen Quicksens. Mein Puls steigt, Gänsehaut stappelt sich auf meiner noch wintergeprägten weissen Haut und ich fühle mich wie Auguste die Weihnachtsgans kurz bevor das Beil fällt und mein enthaupteter Schädel in die Blutlache meines eigenen Kadavers rollt. Bevor mich dieser Horrortrip total aus dieser Gegenwart reißt komme ich wieder zu Bewusstsein und ich sehe dieses kleine popplige Wesen mit vollgeschmatterten Mundwinkeln vom schmilzenden Vanille-Erdbeer-Eis. Die kleinen Patscherhändchen vollgesuppt mit einer milchshakeähnlichen Substanz aus Sabber, Eis und ins Jeneits beförderten zermalmten Marienkäfern, deren Flugbahnen vielleicht noch vor 5 Minuten mein Hirn kreuzten. Irgendwie ist das kleine Monster ja doch ganz niedlich, stelle ich fest und es kommt mir in den Sinn, dass diese kleinen Menschenkinder genauer betrachtet Fusionen sind. Also etwas ganz großes. Eine Fusion aus der Liebe zweier Menschen. Im Idealfall derer, die sich gerade neben diesem kleinen Wesen befinden und fast schon geil schauend den Kinderwagen vor sich herschieben, wobei jene ungezügelten Blicke wohl eher darauf beruhen dass sie sich im Augenblick dort befummeln, wo bei mir im Durchschnitt dreimal am Tag nur mein vierlagiges extrasoftes Klopapier hinkommt.

Ich merke wie sich alles sortiert und sich meine alten Verhaltensweisen zurück ziehen. Ich das neu erlernte aufnehme. Mein Herz versucht wieder Kontakt mit meiner Hirnrinde aufzunehmen und es scheint wieder ganz gut zu funktionieren. Die Liebe der Anderen ist etwas schönes. Es ist das ins Bild gefasst, wonach sich das eigene Herz sehnt. Liebe, Vertrauen, Zusammengehörigkeit, Harmonie. Päärchen und ihre Kinder sind kleine Inseln von Verständnis, Licht und Herzenswärme, in einer Welt ohne Ziele, wahren Werten, Unmengen an Not und Verblendungen in jeglichen Bereichen. Es gibt keinen Grund die Messer zu wetzen oder den Groll aus den Tiefen des Bauches zu holen um diese kleinen Inseln zu verurteilen. Denn alles was andere auch haben, kann man selbst auch erreichen. Und das was einem andere vorleben kann ich selbst umsetzen und im Idealfall verbessern. Das eigene Land der Begierde, der Fummeleien, des Speichelaustauschs und der besagten Fusion, alles das wird kommen. Nicht heute, nicht morgen, aber irgendwann. Dann werde ich dahin schreiten, wer weiß schon wo auf dieser Welt, irgendwo summen mir wieder Insekten durch meine Hirnregionen, vielleicht werde ich auch ein bisschen den ollen Opa raushängen lassen – aber dass bin ich, dass macht mir Spaß. Die Gegensätze halten mich am Leben und offenbaren mir die wahre Bandbreite des Seins. Dann wird sie irgendwann kommen, die Liebe, sie wird sich durchboxen durch all die Gegensätze bis hinein in mein Herz. Und wenn ich manches Kind auch Menschenwesen oder Pupser nenne, merken gerade diese, wie offen mein Herz für die Liebe ist. – Auch für die Liebe der Anderen.

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