(Knet)Menschen – Von Freunden, Arschkrampen & kuriosen Flachschippen

Menschen kommen und gehen immer wieder ein und aus in unserem Leben. Manche verschwinden mit ihrem Gehen aus unserem Kopf und unserem Herzen oder kommen gar nicht erst dort an. Andere sind einfach da, man weiß nicht wann oder woher sie kamen, aber sie erfüllen das Herz, als sei es nicht das eigene… Kurz einmal nachgedacht über die Kompatibilität von Harmonie und Konflikten.

Wir laufen unseren Lebensweg nie allein. Es sei denn, wir entscheiden uns dafür. Jedoch selbst dann wird man nicht allein sein. Niemals. Einsam und allein fühlt sich der, der sich nicht gegenüber anderen öffnen kann, der sein Herz verschließt und sich immer nur um sich selbst dreht. Aber unsere Mitmenschen und Wegbegleiter sind lebenswichtig für uns. Für unseren Lebenssinn. Unseren Lebenswert. Nicht nur weil sie uns das geben was wir an Zuwendung brauchen, sondern genauso auch, weil wir geben können und auch müssen. Weil wir uns gegenseitig Ausgleich geben und uns einander ergänzen. Ohne Geben und Nehmen funktioniert unser Dasein nicht. Kein Mensch kann auf Dauer nur mit sich selbst leben, lieben, sich selbst streicheln, mit sich selbst reden, selbst die Waage halten. Unsere Synapsen würden früher oder später implodieren aufgrund der Selbstbeschäftigung mit uns selbst und irgendwann findet man sich in der Psychiatrischen wieder. Es gibt solch viele Arten von Menschen, die irgendwie teilhaben oder teilhaben lassen an unserem Leben – auf kurz oder lang. Erst wollte ich unterscheiden in „Idioten, Flachschippen“ und „Freunde“, jedoch ist mir bewusst, dass die Sache nicht so einfach zu kategorisieren ist, und kategorisieren, wie auch beleidigen, wollen wir ja auch niemanden und das will ich mir letztendlich auch nicht erlauben (oder habe ich das schon?). Denn am Ende sollte niemand einen anderen verurteilen.

Menschen, die im ersten Augenblick wie die größten Knalltüten rüberkommen, die Dich total annerven mit ihrem Gequatsche und Gehabe und Du sie am liebsten auf den Mond schießen würdest, sind genauso tragend für einen selbst, wie unsere Freunde, bei denen es wiederum unendlich viele Variationen gibt. Arschloch ist nicht gleich Arschloch und Freund nicht gleich Freund. Jeder Mensch trifft Dich an anderen Punkten, positiv, wie negativ. Wir selbst sind wie Knetmasse und werden geformt, jeden Tag immer weiter. Geformt im Gefühl, in der Wahrnehmung, im Verhalten, im Auftreten, im Denken. So oft gab und gibt es in unserem Leben Menschen, die wir „hassen“ und verachteten in ihren Sichtweisen und dem Verhalten uns gegenüber und der Umwelt. Erst später kann uns bewusst werden, wie wichtig diese negativen Erfahrungen waren und sind, um später darauf aufbauen zu können oder neue Beziehungen vorerst näher und kritischer zu betrachten. Wir würden im Endeffekt an der Nächstenliebe ersticken, wenn wir nicht ab und an mal Phasen hätten, in denen wir mit schweren Menschen und Situationen auskommen müssten. Das macht stark und bringt uns weiter zu Neuem. Immer nur mit Samthandschuhen angepackt zu werden, macht auch auf Dauer die Haut wund und kann höllisch schmerzen.

Trotzdessen, dass wir diese Menschen brauchen, die uns mit destruktiver Kritik, Egozentrik, anstrengendem Gehabe, Besserwissereien, Ignoranz und anderen belastenden Dingen gegenüber stehen und gutes Handwerkszeug auf unseren weiteren Lebensweg mitgeben, brauchen wir umso mehr die Menschen an denen wir festhalten können, mit denen wir teilen dürfen. Menschen die uns nahe stehen, manche sehr nah, andere weiter entfernt. Aber jeder Einzelne hat seine Position auf unserem Lebensweg, in unserer Umwelt, im Alltag und sogar in und an unserem Herzen. Menschen die uns immer sagen, du bist gut und alles ist richtig was man tut, sollten mit Bedacht als Freunde betitelt werden. Denn Freunde müssen auch kritisieren können, ja müssen es sogar, auch wie ich selbst meine Freunde kritisieren darf und niemand sollte sich dadurch angegriffen fühlen. Lange Zeit dachte ich Konflikte in Beziehungen wie Freundschaften und Partnerschaften müsse man meiden und stetig zwanghaft die Harmonie aufrecht erhalten. Am Ende hat das krampfhafte Festhalten an Harmonie und Frieden Streit entfacht, die Konflikte wären lösbar gewesen, doch letztendlich bevorzugte ich die Flucht vor den betreffenden Beziehungen um selbst nicht am Konflikt zu scheitern. Was dann folgte waren früher oder später getrennte Wege und für mich immer weniger Beziehungen. Heute steht fest, die Menschen die dir am nahesten stehen sollten, sollten jene sein, die mich am ehrlichsten spiegeln und auch ich ihnen Missfallen rüberbringen kann. Klar können Konflikte dadurch entstehen, aber genau diese gestalten Beziehungen lebhaft und formen wiederum das Zusammensein und Leben, lassen diese lebhaften Gegensätze und Spannungen entstehen.

Wer Konflikten, Kritiken und Problemen bewusst aus dem Weg geht, verbiegt sich für eine Harmonie, die an für sich überhaupt nicht existent ist. Auch hat er Angst sich selbst kennenlernen zu müssen, die Wahrheit ertragen zu müssen, was andere über ihn denken. Wer sich verbiegt tut nichts Gutes für sich selbst noch für die Menschen die ihn umgeben. Und am verbiegen zerbricht jeder irgendwann, wie eine Nadel die man hundertmal hin und her biegt bis sie in der Mitte entzweit. Sich formen lassen, es erlauben, sich zugänglich zu machen für Neues, für andere Menschen da sein und auch deren Unterstützungen annehmen. Wer sein Herz öffnet für Begegnungen, wird die Tiefe spüren welche diese hervorrufen. Wir können uns kneten und formen lassen nach unserem Wohlempfinden. Uns selbst spüren, Veränderungen wahrnehmen und die Folgen unseres Tuns und der anderen erkennen. Und wenn wir vielleicht doch einmal erkannt haben, dass uns irgendwer verändert hat, Liebe schenkte, Gemeinschaft gab, uns eine Hilfe war, die Augen öffnete für neue Dinge um uns herum oder uns eine neue Wegweisung gab… dann sollten wir dankbar sein für diesen Menschen, ob Freund, Partner, Bekannter oder einer dieser fragwürdigen verhassten Arschkrampen, die uns formten und gestalten zu dem was wir sind und am Ende können wir unseren gesamten Feinschliff unserer Knetform eigens verfeinern, indem wir bewusst sortieren was wir brauchen und was wir getrost ablegen können. Wir dürfen danke sagen und jene Menschen als Geschenke ansehen, welche in uns solch viele Erfahrungen hinterlassen haben.

Und das Leben wird von Begegnung zu Begegnung erfüllender. Ob mit Arschtritten und Herzschmerz oder schwereloser Menschlichkeit.

Danke an alle die in meinem Leben standen, stehen und noch stehen werden! For all my assholes and friends in my life.

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