Reisetasche.

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Ich weiss genau wo sie ist, meine Reisetasche, sie ist schön versteckt vor mir, unter meinem Bett, ich hab sie in eine Schublade eingesperrt, damit sie mich nicht immer an meine Reisen erinnert. An die Routen die ich gerne bereisen würde, die Länder, die ich gerne sehen mag, an die Orte an denen ich schon mit ihr war.

Sie ist dort unten, dass sie mir in den Nächten Träume schenken kann, weil dann, darf ich überallhin reisen wo ich hin reisen will. Um mich herum werden Stimmen laut die meinen ich reise zu viel. Ich sei nicht mehr Zuhause. Um mich herum werden Stimmen wach die mich Fragen, was es mit der Reiserei plötzlich auf sich hat. Und um mich herum erklären mir Stimmen ich wäre doch früher nicht so gewesen. Und bei jedem Wort dazu werde ich leiser, bis ich ganz leise bin und mein reisesehnsüchtiges Herz ganz laut schlägt. Aber Herzen kann man nur hören, wenn man das Ohr an die Brust drückt, oder dann, wenn man Worte liest, beim Schreiben kann man Herzen sprechen lassen.

Mein Herz schlägt im Rhythmus der Länder die ich gerne besuchen will, es pulsiert fremde Düfte und Vorstellungen von Landschaften durch meine Adern, es bringt mich im Schlaf Menschen näher, denen ich noch nie begegnet bin. Es schenkt mir Erinnerungen an Dinge die in Zukunft geschehen werden. Und ich weiss es mit Sicherheit.

Die grosse Tasche, ist also unter meinem Kopfkissen und wartet und bittet und fleht leise für meine Gefühle, weil ich es denen nicht gestatten darf, mich zu entführen. 

Und gleich leg ich mich über die Tasche und schlaf mit dem Gedanken ans Reisen ein. Ich will so gerne Weg, mein Fernweh ist so unglaublich stark, mein Wunsch wegzufahren um dann den Gedanken Zuhause wieder zu spüren. Mein Wunsch eine andere Sprache zu sprechen, als die in der ich hier sprechen kann. Schlaf mit dem Gedanken an die gepackte Tasche ein und an den Gedanken daran nur Dinge mitzunehmen die man wirklich zum Leben braucht, wieder Lebensnah zu leben, die Sorgen die nur so schwer sind, dass man sie mitnehmen kann. Sorgen die im Moment von Wichtigkeit sind, über die sich keine Listen stapeln und sich die gleichen Menschen, die meine Reiselust werten, Lösungen überlegen.

Ich liebe es einfach nur mit dieser Tasche unterwegs zu sein und stundenlang Zug zu fahren und soviel Landschaft zu sehen, wie ich mir unmöglich merken kann. Ich liebe es irgendwo umzusteigen, auszusteigen und nicht zu wissen wie mein Ziel aussieht oder wie die Stimmung sein wird, dort wo ich ankomme. Ich liebe es unterwegs zu sein, ohne Pause, ohne Hast, ohne Zeitgefühl, ausser dem Jetzt weil morgen und übermorgen genauso wenig eine Rolle spielen wie gestern und vorgestern. Jetzt, der winzige Augenblick ist der, der zählt. Die Menschen denen ich im Jetzt bin zählen und sind von Wichtigkeit.

Wenn ich jetzt reisen könnte, würde ich vieles besser verstehen können. Weil ich dann aus meinem jetzigen Jetzt in welchem ich mich nur um Morgen sorge, anstatt “Jetzt” wirklich und richtig zu leben, herauskommen würde. Weil ich Abstand zu meinem verstrickten und durcheinander gebrachtem “Ich” hier bekommen würde. Ich glaube, wenn ich jetzt ein paar Kilometer und vielleicht ein oder zwei Ländergrenzen von hier weg wäre, könnte ich wieder freier Atmen und die Gedanken sortieren können.

Ich will wieder ein bisschen Lebensnaher sein. Meine Tasche packen und gerne ans Meer fahren. Ich brauch ein wenig, ein kleines bisschen Abstand.

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