Graue Löcher. Weiße Wolken. / Die Entscheidung zu treffen, den Ausstieg aus einem krampfhaften Tun oder Empfinden anzugehen und sich in eine Therapie zu begeben ist die eine Seite. Die Therapie in dem Maße zu nutzen, wie sie einem auch die Möglichkeiten eröffnet, die andere. Wege heraus aus Süchten, Depressionen, Psychosen und sonstigen chronischen, wie auch psychischen Krankheiten zu finden ist schwer. Und meist liegt eine Fehlinterpretation von Therapien vor. Denn viele Menschen glauben “geheilt” werden zu können, genauso wie Angehörige im Glauben stehen, der Betroffene wird genauso wie früher. Aber eine Heilung, im Sinne von gesund, die gibt es nicht. Therapien geben mir Möglichkeiten mich selbst kennenzulernen, zu sehen wo ich auf meinem Weg die Orientierung verlor, warum meine Persönlichkeit so ist, wie sie ist, wo der Ursprung meines Krankheitsbildes liegt. Die Therapie sollte als Leitsystem wahrgenommen werden, nicht wie ein Krankenhausaufenthalt nach Behandlungsplan. Ich kann dort Unterstützung bei den Therapeuten finden und mich im Gespräch mit anderen Betroffenen austauschen. Die wichtigste Therapie mache ich mit den Entscheidungen von zulassen und Offenheit. In der Bereitschaft zu Veränderungen. Zum teil krassen Veränderungen. Jahrelanges oder gar Jahrzehnte lange festgefahrene Systeme sind aufzulösen und neu zu strukturieren. So gibt eine Therapie die Grundstruktur, doch die wahre therapeutische Arbeit beginnt mit sich selbst nach Abschluss der Therapiezeit.

Der Film “Graue Löcher. Weiße Wolken.“ von Ines Baumann und Ansgar Otto erzählt von drei suchtkranken Menschen, deren Leben auf unterschiedlichste Art und Weise aus den Fugen geraten ist. Ich (Sascha), Norina und Ellen nehmen die Zuschauer auf eine 45minütige Reise mit, in eine Realität von Drogen, Einsamkeit, Hoffnungslosigkeit bis hin zu den großen Wendepunkten in der Therapie. Als ich im Sommer 2011 gefragt wurde, ob ich mich bereit erkläre in diesem Film über mein Leben berichten zu wollen, überlegte ich nicht lange. Ich war kurz vor Beendigung meiner zwei Jahre andauernden Therapiezeit und spürte, dass dies eine Art “runder Abschluss” und bleibendes Zeitdokument für diesen Lebensabschnitt sein könnte. Zur Filmpremiere am 02. September 2012 wurde meine Entscheidung als richtig bestätigt. Der Film wurde liebevoll im Detail verliebt gestaltet und strahlt die aufzubringende Kraft für eine Therapie, wie auch solch viel Hoffnung aus, die in solch einer zu erleben ist.

Genauso wie mein Leben heute ist: voller Farbe, Hoffnung, Licht und Leben. Ganz das Gegenteil der davor liegenden 16 Jahre im Leben mit der Depression, Sucht und schweren  Suizidgedanken. Auch die Leben meiner Mitstreiterinnen im Film haben sich grundlegend geändert. So kannte ich Norina noch aus den anfänglichen Zeiten in der Therapie mit ihren Angstphobien, die ihr ein Lächeln gar nicht möglich machten. Und im Film strahlt sie und lacht aus dem Herzen heraus. Ellen fand neuen Lebenssinn und kann nun für ihren Sohn Emmanuel eine gute Mutter sein, nach all den Jahren voller Gewalt, Gefängnis und Drogen. Und selbst Maren, die ein Jahr ein freiwilliges soziales Jahr in der Holzmühle absolvierte, konnte von den Klienten in der Therapieeinrichtung viel lernen. Sie erkannte, dass man alltägliche Probleme nicht so schwer nehmen sollte und dass es viel mehr gibt als nur diese alltäglichen Kleinigkeiten.

Ich hoffe, dass dieser kurze Dokumentationsfilm an den richtigen Stellen ankommt und vielleicht Menschen bewegt auszusteigen aus manch verfahrenen Situationen. Sich selbst wieder finden zu können, sich erleben zu wollen, wie sie wirklich sind. Und das gemeinsam mit ihren persönlichen “Defiziten”. Depressionen, Psychosen, Süchte akzeptieren lernen und mit ihnen umgehen zu können. Nicht nur Tag um Tag zu kämpfen, sondern gemeinsam mit ihrer Krankheit durchs Leben zu gehen. Und das dieser Film auch nichtbetroffenen Menschen zeigt, das therapierte Menschen sehr viel mit in das Alltagsleben unserer Gesellschaft bringen können. Das Leben besitzt sehr viel Tiefe und den meisten Schönheiten des Seins, werden wir uns erst nach einem tiefen, schmerzvollen Fall bewusst. Ich will nicht sagen, dass es uns härter macht, aber es macht uns definitiv menschlicher…

Ganz liebe Grüsse, Sascha alias Herr Sushi.

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